Proton setzt sich seit Langem weltweit für Freiheit und Demokratie ein. Tatsächlich war der Schutz dieser grundlegenden Menschenrechte(neues Fenster) einer der Hauptgründe, warum wir Proton Mail(neues Fenster) im Jahr 2014 gegründet haben. Von Hongkong bis Belarus(neues Fenster) nutzen Aktivisten, Demonstranten, Journalisten und Bürger auf der ganzen Welt unsere Dienste, um sicher und privat zu kommunizieren, sich Gehör zu verschaffen und Internetblockaden zu umgehen.

Wir glauben, dass jedes Unternehmen die Verantwortung hat, die grundlegenden Menschenrechte zu schützen, wo immer sie bedroht sind. Leider hat Apple mit der Blockierung von Proton VPN-Sicherheitsupdates gezeigt, dass es diese Philosophie nicht teilt.

Seit Kurzem kämpfen die Menschen in Myanmar um den Erhalt ihrer Menschenrechte, nachdem das Militär am 1. Februar die demokratisch gewählte Regierung abgesetzt und die Macht ergriffen hat. In den Wochen seither haben Streitkräfte des Militärs über 250 friedliche Demonstranten getötet(neues Fenster) und über 2.500 illegal inhaftiert.

Am 17. März appellierten die Vereinten Nationen an die Bevölkerung, dokumentarische Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sammeln und aufzubewahren. Um solche sensiblen Informationen sicher an UN-Ermittler zu übermitteln und sicherzustellen, dass Whistleblower nicht angegriffen oder getötet werden, empfahlen die UN die Nutzung von Proton Mail(neues Fenster) oder Signal zur Meldung von Beweisen für Fehlverhalten.

Proton Mail ist nicht die einzige Proton-App, die von Aktivisten und Demonstranten in Myanmar genutzt wird. Im vergangenen Monat hat das Militär in Myanmar die nationalen Telekommunikationsunternehmen gezwungen, das Internet regelmäßig abzuschalten und den Zugriff auf soziale Medien zu blockieren, um zu verhindern, dass belastende Beweise an die Öffentlichkeit gelangen.

Die Menschen in Myanmar haben sich auch Proton VPN zugewandt, um diese Internetblockaden zu umgehen, verlässliche Nachrichten zu finden, um in Sicherheit zu bleiben, und über die Tötungen zu berichten. In den Tagen unmittelbar nach dem Putsch stiegen die Neuanmeldungen für Proton VPN in Myanmar auf das 250-Fache des bisherigen täglichen Durchschnitts.

Apple blockiert Proton VPN-Updates

Am selben Tag, an dem die UN Proton-Apps empfahlen, lehnte Apple plötzlich wichtige Updates für unsere Proton VPN iOS-App ab. Diese Updates enthalten Sicherheitsverbesserungen, die den Schutz vor Versuchen einer Kontoübernahme weiter verstärken sollen, welche die Privatsphäre gefährden könnten.

Ein Screenshot der E-Mail, die Apple uns gesendet hat, um zu erklären, dass das Unternehmen unser Update für Proton VPN blockiert.

Apple gibt an, unsere Sicherheitsupdates blockiert zu haben, weil unsere App-Beschreibung im App Store – die wir monatelang ohne Probleme verwendet haben – erwähnt, dass Proton VPN ein Tool sei, um „Regierungen herauszufordern … und Menschen auf der ganzen Welt Online-Freiheit zu bringen“. Angesichts der aktuellen Lage könnte das Vorgehen von Apple kaum unsensibler sein.

Heute sind Apps wie Proton VPN eine Lebensader zur übrigen Welt für die Menschen in Myanmar, die massakriert werden. Indem Apple uns daran hindert, Benutzer darüber zu informieren, dass Proton VPN zur Umgehung von Internetbeschränkungen genutzt werden kann, macht das Unternehmen es den Menschen schwerer, diese Lebensader zu finden. Die Entscheidung von Apple wird es den Bürgern von Myanmar noch schwerer machen, Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit an die Vereinten Nationen zu senden.

Das Vorgehen von Apple ist zudem heuchlerisch. Apple hat kein Problem damit, Regierungen herauszufordern, wenn es im eigenen finanziellen Interesse liegt (z. B. zur Vermeidung von EU-Steuern oder zur Umgehung von Kartellrechtsklagen). Wenn Proton dies jedoch aus Gründen der Menschenrechte tut, verstößt es plötzlich gegen die Richtlinien von Apple.

Handlungen haben Konsequenzen, und das Vorgehen von Apple behindert aktiv die Verteidigung der Menschenrechte in Myanmar zu einer Zeit, in der Hunderte von Menschen sterben.

Das Vorgehen von Apple behindert den Fortschritt bei den Menschenrechten

Apple hat systematisch Updates blockiert, die verdeutlichen, dass Proton VPN zur Umgehung von Internetblockaden verwendet werden kann, die von Regimen eingesetzt werden, die Menschenrechte verletzen. Wir waren gezwungen, unsere App-Beschreibung zu zensieren, um von Apple die Freigabe für das Update unserer App zu erhalten. Wir lehnen diese Richtlinie der Zensur und des Druckausübens entschieden ab. Wir glauben, dass die Richtlinie von Apple, Apps abzulehnen, die „Regierungen herausfordern“, schlichtweg falsch ist.

Leider ist dies kein Einzelfall bei Apple, sondern Teil einer langjährigen Unternehmensrichtlinie, Gewinne über Menschenrechte zu stellen. Während der Proteste in Hongkong im vergangenen Jahr, als Proton VPN zu einer der am häufigsten heruntergeladenen Apps in Hongkong wurde, zwang uns Apple in ähnlicher Weise zur Selbstzensur. Im Jahr 2019 entfernte es die Apps HKmap.live(neues Fenster) und Quartz(neues Fenster), mit denen sich die Einwohner von Hongkong über die Proteste informierten, auf Druck von China aus seinem App Store.

Die Priorität von Apple liegt darin, den Zugang zu Märkten zu sichern und seine Gewinne aufrechtzuerhalten, weshalb das Unternehmen fast nie die Richtlinien von Diktatoren oder autoritären Regimen infrage stellt. Indem Apple Tyrannen nachgibt, ignoriert es international anerkannte Menschenrechte und hindert Organisationen wie Proton daran, den Bedürftigen beizustehen. Besorgniserregend ist auch, dass Apple die Entfernung dieser Formulierung in ALLEN Ländern verlangt hat, in denen unsere App verfügbar ist. Dadurch trägt Apple dazu bei, autoritäre Gesetze weltweit zu verbreiten, selbst in Ländern, in denen die Meinungsfreiheit geschützt ist.

Was können wir tun?

Wir können ein Internet schaffen, das die Freiheit auf der ganzen Welt fördert. Die Situation in Myanmar zeigt, wie verschlüsselte Dienste ein wesentlicher Bestandteil dieses Internets sind, da sie Aktivisten, Journalisten und normalen Bürgern den Zugriff auf das gesamte Internet und private Kommunikation ermöglichen. Wenn sich ein Regime gegen die eigene Bevölkerung wendet, kann diese Fähigkeit, auf die Wahrheit zuzugreifen und sie zu teilen, Leben retten. Im weiteren Sinne ist ein freies und unabhängiges Internet für die Demokratie im 21. Jahrhundert unerlässlich. Aber große Tech-Konzerne wie Apple haben eine andere Vision des Internets – eine, in der Gewinne wichtiger sind als Menschen.

Deshalb unterstützen wir die Bemühungen der EU, große Tech-Konzerne durch den Digital Markets Act(neues Fenster) zu regulieren. Wenn du in der EU lebst, kontaktiere deinen EU-Abgeordneten(neues Fenster), um deine Unterstützung für diese Gesetzgebung zum Ausdruck zu bringen. Du kannst die Macht der Tech-Giganten auch verringern, indem du von den großen Tech-Konzernen zu Diensten wie Proton Mail, Signal oder DuckDuckGo wechselst.

Gemeinsam können wir sicherstellen, dass das Internet der Zukunft den Interessen aller Bürger dient.

PS: Proton Mail und Proton VPN bieten kostenlose Abonnements, die für immer kostenlos sind. Wenn du eine Aktivistenorganisation in Myanmar bist, die von einem kostenpflichtigen Proton-Abonnement profitieren könnte, kontaktiere uns bitte unter advocacy@protonmail.com. Wir unterstützen Organisationen in Myanmar seit Februar kostenlos mit kostenpflichtigen Abonnements.

UPDATE 25. März 2021: Wir haben klargestellt, gegen welchen Teil der Richtlinie von Apple wir uns wehren.