Update 19. März 2025: Dieser Artikel wurde aktualisiert, um der jüngsten Ankündigung von Amazon Rechnung zu tragen, dass Echo-Benutzer ihre Geräte nicht mehr so einstellen können(neues Fenster), dass Alexa-Anfragen lokal verarbeitet werden, was bedeutet, dass alle Sprachaufzeichnungen an Amazon gesendet werden.

Amazon und Drittanbieter (einschließlich Werbe- und Tracking-Dienste) erfassen Interaktionsdaten von Smart-Speakern. Wir stellen fest, dass Amazon Sprachdaten verarbeitet, um auf Benutzerinteressen zu schließen, und diese verwendet, um personalisierte Werbung auf der eigenen Plattform (Echo-Geräte) sowie außerhalb (Web) anzuzeigen. Die Interaktion mit Smart-Speakern führt zu bis zu 30-mal höheren Geboten von Werbetreibenden. Schließlich stellen wir fest, dass die Betriebspraktiken von Amazon und dessen Skills in ihren Datenschutzerklärungen oft nicht klar offengelegt werden.

So lautet das Fazit einer jüngst veröffentlichten, vernichtenden Studie über die Privatsphäre im Smart-Speaker-Ökosystem von Amazon(neues Fenster) der University of Washington, der University of California und der Northeastern University. Um also die in unserer Überschrift gestellte Frage zu beantworten: Ja, deine Amazon Alexa spioniert dich aus. Und da schätzungsweise 35 % der Erwachsenen(neues Fenster) (rund 91 Millionen Menschen(neues Fenster)) allein in den USA mittlerweile einen Smart-Speaker besitzen, ist dies besorgniserregend.

Diese Ansicht wird auch von der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) nachdrücklich vertreten, die im Mai 2023 eine Geldstrafe in Höhe von 25 Millionen Dollar gegen Amazon wegen Verletzung der Privatsphäre(neues Fenster) im Zusammenhang mit dem Alexa-Sprachassistenten (und der Ring-Videotürklingel) verhängt hat.

Was ist Alexa?

Amazon Alexa ist eine virtuelle Assistententechnologie, die du per Sprachbefehl steuern kannst. Alexa ist in viele Amazon-Geräte integriert, ist aber am bekanntesten für ihren Einsatz in den Smart-Speakern Amazon Echo, Amazon Dot und Amazon Studio. Dort kannst du sie anweisen, Musik abzuspielen, To-do-Listen zu erstellen, andere Smart-Geräte im Haus zu steuern, aktuelle Nachrichten, Wetter- und Verkehrsberichte bereitzustellen und vieles mehr.

Alexa ist auch in Hardware von Drittanbietern integriert, wie z. B. in Smart-TVs und Soundbars.

Was sollte eigentlich passieren, wenn du Alexa verwendest?

Laut Amazon(neues Fenster) hören Alexa-Geräte immer zu, beginnen aber erst mit der Aufzeichnung, wenn du das Aktivierungswort (standardmäßig „Alexa“) sagst oder eine Taste auf dem Alexa-Gerät drückst. Dieses Verhalten kann angepasst werden, aber das Blockieren der Sprachaktivierung macht den Zweck eines Alexa-Geräts von vornherein zunichte.

Wenn Alexa ihr Aktivierungswort hört, sendet sie das Audio-„Snippet“, das das Aktivierungswort enthält, an Amazon, wo es eine cloudbasierte Verifizierung des Aktivierungsworts(neues Fenster) durchläuft, mit der sichergestellt werden soll, dass das Aktivierungswort auch tatsächlich gesprochen wurde.

Wenn das Aktivierungswort verifiziert ist, zeichnet Alexa in den nächsten Sekunden alles auf, was sie hört, und sendet diese Aufzeichnung an die Cloud-Computer von Amazon, wo sie verarbeitet wird und (hoffentlich) die richtige Reaktion auslöst.

Alexa-Geräte sollen visuelle Signale geben, damit du immer erkennen kannst, ob sie deiner Unterhaltung aktiv zuhören. Ein Amazon Echo zeigt beispielsweise ein kreisförmiges blaues Licht an, nachdem er sein Aktivierungswort gehört hat und aktiv zuhört.

Alexa sammelt personenbezogene Daten

Amazon macht kein Geheimnis daraus, dass es jede Interaktion, die du mit deiner Alexa hast, mit deinem Amazon-Konto verknüpft und diese nutzt, um ein Profil von dir für personalisierte Werbung zu erstellen(neues Fenster). In gewisser Weise unterscheidet sich dies nicht davon, deinen Web-Verlauf mithilfe von Cookies zu verfolgen und deine Kauf- und Suchhistorie auf der Amazon-Website zu erfassen.

Dank ihrer vielseitigen Natur – sie beantwortet deine ausgefallenen Fragen, spielt deine Lieblingsradiosendungen und -podcasts, kuratiert deinen Musikgeschmack, verwaltet deine Smart-Geräte usw. – liefert Alexa Amazon jedoch ein weitaus detaillierteres und intimeres Bild deines Lebens, als es sich jemals durch deine Einkaufshistorie erhoffen könnte.

Tatsächlich ist die Art der Informationen, die aus deinen Interaktionen mit Alexa-Geräten gewonnen werden, so wertvoll, dass (wie in der zuvor zitierten Forschungsarbeit berichtet wird) Werbetreibende Amazon bis zu 30-mal mehr dafür bezahlen als für Informationen, die mit herkömmlicheren Mitteln gesammelt wurden.

Standardmäßig bewahrt Amazon deine Aufzeichnungen für immer auf. Früher gab es bei Amazon die Funktion „Keine Sprachaufzeichnungen senden“, die es einigen Alexa-Geräten ermöglichte, deine Anfragen lokal zu verarbeiten, ohne sie an Amazon-Server zu senden. Du kannst Aufzeichnungen auch vollständig über die Privatsphäre-Einstellungen deines Geräts löschen oder die Dauer begrenzen, die Amazon sie aufbewahrt, bevor sie gelöscht werden (zumindest theoretisch – siehe das unten besprochene FTC-Verfahren gegen Amazon).

Ab dem 28. März 2025 schaltet Amazon jedoch „Keine Sprachaufzeichnungen senden“ ab, was bedeutet, dass alles, was du über Echo-Lautsprecher und Smart Displays zu Alexa sagst, automatisch an Amazon gesendet wird.

Amazon hat erklärt, dass bei allen, die zuvor „Keine Sprachaufzeichnungen senden“ aktiviert hatten, nun die Option „Aufzeichnungen nicht speichern“ aktiviert wird. Das bedeutet, dass alle Aufzeichnungen gelöscht werden, nachdem sie verarbeitet wurden.

Was tatsächlich passiert, wenn du Alexa verwendest

Alexa hört mehr mit, als sie sollte

Eine Studie von Forschern der Northeastern University und des Imperial College London aus dem Jahr 2019 ergab, dass Smart-Speaker (einschließlich Alexa-Geräten) ihre Aktivierungsworte missverstanden und sich bis zu 19-mal am Tag versehentlich aktivierten(neues Fenster).

Etwa die Hälfte dieser versehentlichen Aktivierungen führte zu Aufzeichnungen von mehr als sechs Sekunden Länge. Echo Dot-Geräte der 2. Generation gehörten zu den schlimmsten Übeltätern mit Aktivierungszeiten von 20 bis 43 Sekunden.

Amazon-Mitarbeiter hören deine Sprachaufzeichnungen an

Bloomberg berichtete (ebenfalls im Jahr 2019), dass Amazon weltweit ein Team von Tausenden von Mitarbeitern beschäftigt, um sich Alexa-Sprachaufzeichnungen anzuhören(neues Fenster), diese zu transkribieren und in den Alexa-Algorithmus zurückzuspeisen.

Amazon behauptet, dies diene der Verbesserung der KI- und natürlichen Spracherkennungsfunktionen von Alexa und dass „Mitarbeiter keinen direkten Zugriff auf Informationen haben, mit denen die Person oder das Konto identifiziert werden kann“.

Diese Aussage ist jedoch eindeutig unaufrichtig. Ein von Bloomberg erlangter Screenshot zeigte, dass Mitarbeiter zwar keinen direkten Zugriff auf den vollständigen Namen und die Adresse eines Benutzers haben, die Transkription jedoch mit einer Kontonummer, dem Vornamen des Benutzers und der Seriennummer seines Geräts verknüpft ist.

Es wird nicht nur von den Mitarbeitern erwartet, dass sie versehentliche Interaktionen mit Alexa transkribieren, sondern sie können oft auch Hintergrundgespräche mithören, die private Details wie Namen und Bankverbindungen enthalten. In diesem Fall ist in den Richtlinien festgelegt, dass sie auf ein Kästchen für „kritische Daten“ klicken und fortfahren.

Amazon hat diese Praxis verteidigt und erklärt, dass jeder der Analyse seiner Sprachaufzeichnungen durch Menschen über seine Kontoeinstellungen widersprechen kann. Aber selbst wenn du dich dagegen entscheidest, können deine Aufzeichnungen im Rahmen des regulären Überprüfungsprozesses von Amazon manuell von einer Person analysiert werden, die Zugriff auf deine Kontodetails hat.

Alexa macht Fehler

Im Jahr 2018 hat Alexa eine private Unterhaltung aufgezeichnet(neues Fenster), ohne dass das Aktivierungswort überhaupt ausgesprochen wurde, und diese Aufzeichnung an einen zufälligen Kontakt auf der Kontaktliste des Alexa-Besitzers gesendet. Im selben Jahr hat sie fälschlicherweise auch 1.700 Alexa-Sprachaufzeichnungen an einen anderen Benutzer gesendet(neues Fenster).

Amazon teilt viele Alexa-Daten mit Drittanbietern

Alexa-Skills(neues Fenster) sind kleine, kostenlose Apps, die dein Alexa-Gerät um Funktionen erweitern können. Durch das Zulassen von rund 200.000 Skills von Drittanbietern auf dem Amazon Marketplace wurde der Nutzen von Alexa erheblich erweitert.

Dieser Nutzen hat jedoch einen hohen Preis. Amazon erlegt den Daten, auf die diese „Skills“ von Drittanbietern zugreifen dürfen, strenge Datenschutzbeschränkungen auf. Sie dürfen beispielsweise keine hochsensiblen Informationen wie deine Sozialversicherungsnummer oder deine Bankverbindung erfassen. Sie müssen außerdem um Erlaubnis bitten, um auf bestimmte persönliche Daten wie deine E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder deinen Standort zuzugreifen.

Das Forschungspapier von 2022 bestätigt frühere Untersuchungen, wonach Tausende von Drittanbieter-Entwicklern von Skills die Datenschutzerklärungen von Amazon missbrauchen und aktiv auf Alexa-Geräten gespeicherte Sprachdaten sammeln, um darauf basierend personalisierte Werbung bereitzustellen. Sie teilen diese Daten (und andere Alexa-Interaktionen) auch direkt mit anderen Drittanbietern, und zwar ohne jegliche Aufsicht oder Kontrolle durch die Alexa-Benutzer oder Amazon selbst.

Viele Skills von Drittanbietern veröffentlichen überhaupt keine Datenschutzerklärung, und selbst wenn sie es tun, halten sie sich nicht daran.

Amazon löscht deine Daten nicht immer, wenn es das behauptet

Der Kern des jüngsten (2023) FTC-Vergleichs mit Amazon wegen Alexa besteht darin, dass Amazon es versäumt hat, aktive Kinderkonten, einige Sprachaufzeichnungen und Geolokalisierungsinformationen zu löschen, nachdem es von Benutzern und Eltern (als den übergeordneten Kontoinhabern) darum gebeten wurde.

Amazon hat seinen Benutzern, einschließlich Eltern (als übergeordnete Personen), ausdrücklich und wiederholt zugesichert, dass sie die vom Alexa-Sprachassistenten erfassten Sprachaufzeichnungen und die von der Alexa-App erfassten Geolokalisierungsinformationen löschen können. Das Unternehmen hielt diese Versprechen jedoch nicht ein, da es einige dieser Informationen jahrelang aufbewahrte und die unrechtmäßig einbehaltenen Daten zur Verbesserung seines Alexa-Algorithmus verwendete.

Nach Ansicht der FTC hat Amazon damit gegen den Children’s Online Privacy Protection Act(neues Fenster) (COPPA) verstoßen. (Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels muss der Vergleich der FTC mit Amazon noch von einem Bundesgericht genehmigt werden.)

Abschließende Gedanken

Amazon Alexa-Geräte sind zweifellos erstaunliche Technologien, die ein Maß an Bequemlichkeit in unser Leben bringen können, das noch vor wenigen Jahren reine Science-Fiction gewesen wäre.

Doch diese Bequemlichkeit hat ihren Preis – deine Privatsphäre. Selbst wenn du Amazon beim Wort nimmst, weiß Alexa verdammt viel über dich. Amazon nutzt diese Informationen, um ein Profil von dir zu erstellen und dich mit immer personalisierterer Werbung anzusprechen, oder es verkauft diese Informationen an unbekannte Drittanbieter, mit denen deine Daten zu teilen du nie zugestimmt hast.

Es gibt mittlerweile keine Möglichkeit mehr, dem zu widersprechen, und wie bereits weiter oben in dieses Artikels erwähnt, sind Informationen, die über Alexa gewonnen werden, bis zu dreißigmal wertvoller als Daten, die auf traditionellere Weise erfasst werden. Aber wie die Entscheidung der FTC zeigt, kannst du Amazon nicht immer vertrauen. Zudem hat das Unternehmen kaum oder gar keine Kontrolle und Aufsicht über die Skills von Drittanbietern, die deine Privatsphäre aktiv verletzen.

Was kannst du also tun, wenn dir deine Privatsphäre wichtig ist, du aber nicht auf den Komfort von Smart-Speakern verzichten willst? Unter den großen Akteuren im Bereich der kommerziellen virtuellen Assistenten – Amazon Alexa, Google Assistant und Apple Siri – bietet Apple den besten Schutz der Privatsphäre. Obwohl Apple es dir nicht erlaubt, vergangene Siri-Aufzeichnungen zu löschen, verknüpft das Unternehmen diese Aufzeichnungen nicht mit deinem Konto und lässt keine Integrationen von Drittanbietern zu.

Für diejenigen, die Open-Source-Optionen bevorzugen und bereit sind, einige Kompromisse einzugehen, um ihre Privatsphäre zu verbessern, ist Mycroft(neues Fenster) ein kostenloser Open-Source-Sprachassistent, der für den Einsatz auf Linux-basierten Geräten entwickelt wurde. Heimwerker-Enthusiasten können Mycroft auf einem Raspberry Pi installieren(neues Fenster) oder sogar die Firmware eines Amazon Echo flashen, um Alexa(neues Fenster) durch Mycroft zu ersetzen! Wenn du technisch weniger versiert bist, kannst du das Smart Display Mycroft Mark II(neues Fenster) direkt von der Stange kaufen (beachte jedoch bitte, dass das Unternehmen Mycroft AI seinen Betrieb eingestellt hat).