Ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) ist ein unverzichtbares Werkzeug, um deine Privatsphäre im Internet zu schützen. Es verhindert, dass dein Internetdienstanbieter (ISP) und somit auch deine Regierung sehen können, was du online tust. Zudem hilft es zu verhindern, dass die von dir besuchten Websites dich über das Web hinweg eindeutig identifizieren und verfolgen, indem es deine echte IP-Adresse ausblendet.
Erfahre mehr darüber, wie ein VPN funktioniert
Viele Menschen sind sich jedoch nicht ganz im Klaren darüber, wie VPNs genau funktionieren und was sie können und was nicht. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige der gängigsten Mythen, Halbmythen und Missverständnisse rund um VPNs.
- VPNs sorgen für deine Sicherheit
- VPNs schützen dich vor Hackern in öffentlichen WLAN-Netzen
- Das Selbsthosten des eigenen VPNs ist besser für die Privatsphäre
- VPNs drosseln deine Internetgeschwindigkeit drastisch
Mythos: VPNs sorgen für deine Sicherheit
Realität: Der Hauptzweck von VPNs besteht darin, Privatsphäre im Internet zu bieten, nicht Sicherheit.
VPNs wurden ursprünglich entwickelt, um Unternehmensressourcen abzusichern, sodass Mitarbeitende von zu Hause oder von Außenstellen aus sicher auf die Server des Unternehmens zugreifen können. Proton VPN for Business(neues Fenster) setzt diese Tradition der Sicherheit für Unternehmen mit unserer Version des alten Firmen-VPNs für das 21. Jahrhundert fort: dedizierte Server. Das ist jedoch nicht das, was die meisten modernen VPN-Dienste anbieten (einschließlich Proton VPN, abgesehen von unseren Proton VPN for Business-Abonnements).
Der Grund dafür ist HTTPS, das Verschlüsselungsprotokoll, das das Internet absichert. Wenn du dich mit einer Website verbindest, die HTTPS verwendet, wird die Verbindung zwischen deinem Gerät und der Website sicher verschlüsselt, sodass niemand außer dem Website-Inhaber sehen kann, was du auf dieser Website tust.

Die meisten Browser zeigen mit einem Schloss-Symbol in der URL-Leiste an, dass eine Website HTTPS verwendet. Bezeichnenderweise hat Chrome damit aufgehört, weil Google dies nicht mehr für notwendig erachtet.
Dank HTTPS ist es sicher, Online-Banking zu nutzen und online mit deiner Kreditkarte zu bezahlen; ein VPN ist dafür nicht erforderlich.
Bis vor etwa 10 Jahren stimmte es zwar, dass die meisten Websites nicht sicher waren (was allerdings Online-Banking und E-Commerce-Seiten, die sensible Daten offenlegen könnten, ausschloss). Damals verbesserte die Nutzung eines VPNs tatsächlich deine Online-Sicherheit. Aber das gilt heute nicht mehr. Weltweit nutzen etwa 85 % der Websites HTTPS, und diejenigen, die es nicht tun, sind hauptsächlich Amateur-Websites, die offensichtlich unsicher sind. Die Gefahr, die sie für die meisten Internetnutzer darstellen, ist minimal, sodass du kein VPN mehr benötigst, um deine Online-Daten zu schützen.
Erfahre mehr darüber, wie HTTPS dich schützt (aber nicht deine Privatsphäre)(neues Fenster)
Ein VPN verbirgt auch deine echte IP-Adresse vor allen anderen im Internet, und manchmal wird behauptet, dass dies deine Sicherheit verbessert, denn wenn ein Hacker deine IP-Adresse nicht sehen kann, kann er dich nicht hacken. Dies ist zwar nicht völlig falsch, aber in der Realität ist dies schlichtweg kein Hauptangriffsvektor für Hacker.
Mythos: VPNs schützen dich vor Hackern in öffentlichen WLAN-Netzen
Realität: HTTPS schützt dich vor Hackern im öffentlichen WLAN, aber wir benötigen dennoch ein VPN, um zu verhindern, dass die Betreiber öffentlicher WLANs deinen Browserverlauf verkaufen.
Es gab in der Tat eine Zeit, in der die Nutzung öffentlicher WLANs wirklich riskant war. Hacker trieben sich an öffentlichen Orten herum, richteten Evil-Twin-Hotspots ein und nutzten WLAN-Sniffing(neues Fenster), um deinen unverschlüsselten Internetverkehr abzufangen.
Aber wie oben bereits beschrieben, gibt es seit einigen Jahren praktisch keine Websites mit sensiblen Daten mehr, die nicht per HTTPS geschützt sind. Das bedeutet: Selbst wenn du dich versehentlich mit einem Evil-Twin-Hotspot verbindest, kann die Person, die diesen gefälschten Hotspot betreibt, nichts von dem sehen, was du auf den besuchten Websites tust. Die Nutzung von öffentlichem WLAN ist daher viel sicherer als früher.
HTTPS hält deine Verbindungen zwar sicher – aber nicht privat. Es verhindert, dass Kriminelle sehen können, was du auf einer Website tust (einschließlich aller eingegebenen Passwörter oder Zahlungsdaten), aber es verhindert nicht, dass dein ISP oder der Betreiber des öffentlichen WLANs (die Person oder das Unternehmen, die den WLAN-Hotspot betreibt, mit dem du verbunden bist) sieht, mit welchen Websites und Diensten du dich verbindest. Und im Zeitalter des allgegenwärtigen Überwachungskapitalismus, in dem alles, was wir online tun, überwacht und genutzt wird, um uns mit immer persönlicheren Anzeigen anzusprechen, sind dies wertvolle Informationen.
Es hat seinen Grund, warum viele öffentliche WLAN-Netzwerke (von denen viele von kommerziellen Drittanbietern betrieben werden) verlangen, dass du eine gültige E-Mail-Adresse angibst und extrem langen und undurchdringlichen Nutzungsbedingungen zustimmst, bevor du ihr „kostenloses“ WLAN nutzen darfst. Sie verkaufen deinen Browserverlauf an Werbetreibende. Die Verwendung eines VPNs verhindert das.
Zudem zeichnet sich ein wachsender Trend ab, dass Regierungen Daten kaufen(neues Fenster), die an öffentlichen Hotspots gesammelt wurden, um sie für ihre Massenüberwachung zu nutzen. In den USA beispielsweise hat der National Defense Authorization Act von 2024(neues Fenster) die Befugnisse der Regierung zur Überwachung von US-Bürgern(neues Fenster) erheblich ausgeweitet.
Mythos: Das Selbsthosten des eigenen VPNs ist besser für die Privatsphäre
Realität: Selbsthosten trägt fast nichts zum Schutz deiner Privatsphäre bei
Wenn du dich mit einem VPN verbindest, kann der VPN-Anbieter dieselben Daten sehen, die auch dein ISP ohne VPN sehen könnte, einschließlich deiner echten IP-Adresse und der von dir besuchten Websites. Und wie dein ISP kann auch dein VPN-Dienst deinen unverschlüsselten Internetverkehr sehen (was dank HTTPS jedoch kein großes Problem darstellt). Auf rein technischer Ebene überträgst du also das Vertrauen von deinem ISP auf deinen VPN-Anbieter.
Während dein ISP jedoch keinerlei Interesse daran hat, deine Privatsphäre zu schützen (ISPs können deinen Browserverlauf sogar an Werbe- und Analyseunternehmen verkaufen), speichern seriöse VPN-Dienste keine Protokolle und verfügen über ein Geschäftsmodell, das vollständig auf dem Schutz deiner Privatsphäre basiert. Bei Proton VPN führen wir außerdem regelmäßig externe Sicherheitsaudits für unsere Open-Source-Apps und unsere No-Logs-Infrastruktur durch. Ein gewisses Maß an Vertrauen ist dennoch erforderlich.
Wer VPN-Diensten gegenüber skeptisch ist, empfiehlt oft, stattdessen einen eigenen VPN-Server zu betreiben, mit der Begründung, dass man niemandem außer sich selbst vertrauen muss. Vorausgesetzt, du hast das technische Know-how und hostest deinen VPN-Server auf einer sicheren Plattform (z. B. auf Hardware, die dir physisch gehört, oder auf einem verschlüsselten, gemieteten Bare-Metal-Server – auf die meisten gemieteten Server kann der Serveranbieter zugreifen, der keine Motivation hat, deine Privatsphäre zu schützen), stimmt das auch. Aber …
Wenn du einen kommerziellen VPN-Dienst nutzt, teilst du dir einen VPN-Server (und damit eine IP-Adresse) mit potenziell Tausenden von anderen Benutzern. Selbst wenn ein VPN-Dienst Protokolle führt, ist es schwierig, einen dieser Benutzer mit den Aktionen einer Person in Verbindung zu bringen, die die IP-Adresse dieses Servers verwendet. Und es ist praktisch unmöglich, wenn der Dienst keine Protokolle führt.
Wenn du hingegen deinen eigenen VPN-Server betreibst, identifiziert die IP-Adresse des VPN-Servers dich eindeutig gegenüber jeder Website, die du besuchst. Wenn du deinen Server von zu Hause aus betreibst, ist es deine Heim-IP-Adresse. Wenn du einen Remote-Server mietest, ist es für Websites immer noch einfach, dich zu identifizieren und zu verfolgen, und dein Server-Anbieter verfügt über deine Abrechnungsdaten.
Der Betrieb deines eigenen VPN-Servers trägt also fast nichts zum Schutz deiner Online-Privatsphäre bei.
Mythos: VPNs drosseln deine Internetgeschwindigkeit drastisch
Realität: Wenn du einen guten, nahen VPN-Server nutzt, wirst du wahrscheinlich kaum eine Verlangsamung bemerken
Die Verwendung eines VPNs verlangsamt dein Internet, aber wenn du einen guten VPN-Dienst (wie Proton VPN) nutzt, ist diese Verlangsamung minimal. Die Hauptfaktoren, die deine Internetgeschwindigkeit bei der Nutzung eines VPNs beeinflussen, sind:
Verschlüsselungs-Overhead
VPNs verschlüsseln deinen Internetverkehr, um die Sicherheit und Privatsphäre zu verbessern. Der Prozess der Ver- und Entschlüsselung von Daten erfordert zusätzliche Rechenressourcen, was theoretisch zu einer leichten Verringerung der Geschwindigkeit führen kann. Doch bis auf die ältesten oder schwächsten modernen Geräte können alle VPN-Daten problemlos ver- und entschlüsseln, sodass eine Verlangsamung in der Praxis meist rein theoretisch ist. Dies gilt insbesondere bei der Verwendung moderner, schlanker VPN-Protokolle wie WireGuard®.
Serverentfernung
Bei der Nutzung eines VPNs müssen deine Daten eine zusätzliche Teilstrecke zum VPN-Server zurücklegen, bevor sie an ihr Ziel weitergeleitet werden. Die physische Entfernung zwischen deinem Gerät und dem VPN-Server beeinflusst daher deine Internetgeschwindigkeit. Je weiter der Server entfernt ist, desto höher ist die Latenz (die Zeit, die ein Datenpaket benötigt, um von deinem Gerät zu einem Server und zurück zu gelangen) und desto langsamer ist die Verbindung.
Wenn du jedoch einen guten VPN-Dienst nutzt und dich mit einem Server verbindest, der sich geografisch in deiner Nähe befindet (z. B. im selben Land), ist diese Verlangsamung so minimal, dass du sie wahrscheinlich gar nicht bemerkst. Proton VPN wirkt diesem Problem zudem mit unserer einzigartigen VPN-Accelerator-Technologie entgegen, welche die Geschwindigkeitsleistung beim Herstellen einer Verbindung zu weit entfernten VPN-Servern enorm verbessert.
Einige VPN-Dienste bieten eine „Double-VPN“-Funktion an (Proton VPN bietet beispielsweise Secure Core an). Diese können deine Online-Privatsphäre verbessern, indem sie Timing-Angriffe verhindern und zusätzliche Sicherheit bieten, falls einer der VPN-Server kompromittiert werden sollte. Allerdings legen deine Daten nun zwei (oder mehr) zusätzliche Teilstrecken zurück, von denen mindestens eine über eine beträchtliche Distanz verlaufen kann. Wir betreiben beispielsweise Secure Core-Server nur in der Schweiz, Island und Schweden, da diese Länder über sehr strenge Datenschutzgesetze verfügen.
Double-VPN-Lösungen verlangsamen deine Internetverbindung daher weitaus mehr als eine normale VPN-Verbindung und sollten nur verwendet werden, wenn dein Bedrohungsmodell(neues Fenster) dies erfordert.
Serverlast
Wenn der VPN-Server, mit dem du verbunden bist, mit Benutzern überlastet ist, kann es zu Engpässen und somit zu langsameren Geschwindigkeiten kommen. Hochwertige VPN-Dienste wie Proton VPN bieten eine große Anzahl von VPN-Servern, um die Last gleichmäßiger zu verteilen.
Sofern du nichts anderes angibst, verbinden wir dich immer mit einem Server mit geringer Auslastung, sodass dieses Problem für Nutzer mit einem kostenpflichtigen Proton VPN-Abonnement unwahrscheinlich ist. Wir zeigen zudem die Auslastung jedes unserer Server in unseren Apps deutlich an, sodass du manuell einen Server mit geringerer Auslastung auswählen kannst.

Wenn du unser kostenloses VPN-Abonnement nutzt, versuchen wir ebenfalls, dich mit dem nächstgelegenen kostenlosen Server mit geringer Auslastung zu verbinden. Unsere kostenlosen Server können jedoch manchmal stark ausgelastet sein, weshalb sie oft nicht so schnell sind wie unsere Plus-Server.
Wenn du also einen guten VPN-Dienst nutzt und dich mit einem nahegelegenen VPN-Server verbindest, der nicht überlastet ist, hat die Nutzung eines VPNs nur minimale Auswirkungen auf deine Internetgeschwindigkeit. Das gilt natürlich nicht, wenn du einen namenlosen „kostenlosen“ VPN-Dienst nutzt, der nur ein paar VPN-Server am anderen Ende der Welt betreibt.
Fazit – ein VPN ist ein großartiges Werkzeug für die Privatsphäre
Ein kommerzieller VPN-Dienst ist ein nahezu unverzichtbares Werkzeug zum Schutz deiner Online-Privatsphäre in einer Welt, in der allgegenwärtige Überwachung an der Tagesordnung ist. Er schützt dich zwar nicht davor, dass Hacker deine Bankdaten stehlen (hauptsächlich, weil HTTPS diese Funktion überflüssig gemacht hat), aber er hilft dir dabei, deine Online-Aktivitäten für dich zu behalten – und das, ohne dein Interneterlebnis zu beeinträchtigen, und zwar um einiges besser, als wenn du deine eigene VPN-Lösung bastelst.





